Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft

Makrodefinitionen und Mikrodefinitionen

 

Gary Massey, Maureen Ehrensberger-Dow & Andrea Hunziker Heeb, Winterthur
Defining phases of the translation process: revision as a case in point

Krings’ (1986) description of translation in terms of three phases (Vorlauf, Hauptlauf, Nachlauf) has provided a framework for considering the process both from an external perspective, as part of a system (e.g. Schubert 2009), and internally, as a cognitive activity (e.g. Englund Dimitrova 2005; Göpferich 2008). In the latter case, comparisons have been made between translators assumed to have different levels of competence, and evidence has been found to support the claim that professionals differ from students in every phase of the process (e.g. how quickly they orient themselves to a translation task, how smoothly they produce target text, and how much they revise; see Ehrensberger-Dow & Massey 2013). Empirical translation studies has been at the forefront of applying new technology in attempts to gain richer descriptions of the internal or cognitive process. For example, the duration of activities during, before, and after target text production can be monitored with non-invasive techniques such as screen recording, keylogging, and eye tracking. Because of the measurement precision provided by such technology, the definitions of these phases, and indeed their usefulness as theoretical constructs, can be called into question.
In this paper, we highlight the problematic nature of these constructs by focusing on revision activities in translation processes. In doing so, we also address the question of what a draft translation is, especially in the context of professional translation involving TM and/or MT support. The data is drawn from the corpus of our longitudinal Capturing Translation Processes (CTP) project, in which translators with various levels of experience have been monitored while translating in the controlled setting of our usability lab or at their usual workplaces. Analyses of keylogging and screen recording data reveal that revisions are actually a more prominent feature of what has been termed the drafting phase than of the post-drafting phase. Since many of the processes in our corpus reveal relatively few substantial changes in the post-drafting phase, such self-revision may be less important in the cognitive translation process than sometimes suggested. This in turn has potential implications for the revision-based “controlling influences” (Schubert 2009) of the external translation process.

References
Englund Dimitrova, B. (2010). Translation process. In: Handbook of Translation Studies 1, ed. by Gambier, Y. & van Doorslaer, L.(eds.), 406-411. Amsterdam: John Benjamins.
Ehrensberger-Dow, Maureen & Gary Massey (2013/forthcoming). Indicators of translation competence: Translators’ self-concepts and the translation of titles, Journal of Writing Research (Special section on translation).Göpferich, Susanne (2008). Translationsprozessforschung. Stand - Methoden - Perspektiven. Tübingen: Gunter Narr. Krings, Hans P. (1986). Was in den Köpfen von Übersetzern vorgeht. Eine empirische Untersuchung zur Struktur des Übersetzungsprozesses an fortgeschrittenen Französischlernern. Tübingen: Gunter Narr (Tübinger Beiträge zur Linguistik 291). Schubert, Klaus (2009). Positioning translation in technical communication studies. The Journal of Specialised Translation 11, 17-30.


 

Georges Polidor Kemeni Kouamou (Bafoussam/Kamerun)
Übersetzungshürde von Deutsch-SchülerInnen der 12.und 13.Klassen in Kamerun: Eine empirische Untersuchung.

Während der Kaffee-und Zigarettenpausen bei den Prüfungsverbesserungen (insbesondere der Probatoire (Vorabitur)und dem Baccalaureat(Abitur)) ist seit mehr als einem Jahrzehnt eine Klage auf allen Lippen: Die an der Korrektur der Examina teilnehmenden Lehrkräfte für Deutsch beschweren sich unaufhörlich über die katastrophalen und alarmierenden Schülerleistungen beim Hin-und Herübersetzen. Obwohl das Übersetzen bei den Deutsch- SchülerInnen der Abschlussklassen in Kamerun viel Interesse hervorruft (vgl. hierzu Gibitz 2004), wird leider hier die "fünfte" Kompetenz zum Stiefkind des Deutsch-als-Fremdsprache- Unterrichts. Meines Wissens ist bislang in Kamerun der Frage nicht genug und ernst nachgegangen worden. Das Beschwerden scheint sich auf eine einfache Lippenbekenntnis und Zusehen zu reduzieren. Diese besorgniserregende Lage hat mich persönlich als Befürworter des Übersetzens dazu bewogen, mich mit diesem großen Problem zu befassen. Meine Untersuchungshypothese lautet: Die Kameruner Deutschschüler der 12.und der 13 Klassen können bessere Leistungen beim Hin-und herübersetzen, wenn man andere innovative Lehrstrategien wie etwa Spiele ,Bilder und (Schüler-)Zeichnungen im DaF-Unterricht einsetzt und den Lernenden die Szene überlässt. Den anderen TeilnehmerInnen der Gruppe werde ich zeigen, wie man verfahren kann, um gute Übersetzungen sowohl in der Ausgangsprache als auch in die Zielsprache zu haben. Ich werde landeskundlichen Texte und Auszüge von deutschen und kamerunischen Romanen (der Jugendliteratur) zur Reflexion bzw. zur Übersetzung vorschlagen und in kleinen Workshops wird gearbeitet.


 

Sigmund Kvam, Halden
Intersemiotisches Übersetzen auf textlinguistischer Grundlage am Beispiel von Kunstliedern

Am Beispiel der Übersetzung ins Deutsche und Englische von zwei norwegischen Kunstliedern von Edvard Grieg und Henrik Ibsen möchten wir untersuchen, inwieweit Invarianz und damit verbunden die Einteilung in pragmatische und textstrukturelle Invarianz als eine textlinguistische Grundlage von intersemiotischen Übersetzungen in diesem Textsortenbereich angesetzt werden können. Übersetzen wird hier auf der Grundlage der Intertextrelation Invarianz im Rahmen einer funktional-pragmatischer Textlinguistik betrachtet. Unter Invarianz verstehen wir eine in der Übersetzungsinteraktion zwischen Auftraggeber und Übersetzer als Identität festgelegte Relation zwischen einer oder mehreren Textebenen des Ausgangstextes und des Zieltextes. Bei der Analyse der Texte wird einerseits von einem dreigeteilten Textmodell(Superstruktur, Makrostruktur und lexiko-grammatische Struktur), andererseits von drei übersetzerischen Intertextkategorien (Invarianz, Entsprechung und Varianz) ausgegangen. Durch diese Fallstudie wird deutlich, dass Invarianzen im musikalisch-lyrischen Bereich die Übersetzungsstrategie determiniert. Die totale Dominanz dieses nicht-sprachlichen semiotischen Bereichs ergibt für die sprachliche Gestaltung eine konstruktionelle und semantische Vielfalt, die bei der Übersetzung von Kunstliedern über eine semiotisch determinierte textstrukturelle Invarianz erklärbar wäre.

Literatur
Gorlée, Dinda L. (2002): Grieg’s Swan Songs. In: Semiotica Bd. 142. Berlin: de Gruyter, 153 – 210.
Kopchick, Helena (2007): Encountering the supernatural other in three musical settings of Henrik Ibsen’s Spillemænd. In: Studia Musicologica Norvegica 33. Oslo: universitetsforlaget, 33 – 41.
Kvam, Sigmund (2009): Grundlagen einer textlinguistischen Übersetzungswissenschaft. Forschungsüberblich und Hypothesen. Münster: Waxmann.
Low, Peter (2012): Purposeful translating: The Case of Britten’s Vocal Music. In: Minors, Helen Julia (Hg.): Music, Text and Translation. Bloomsbury Advances in Translation. Huntingdon: Bloomsbury Academic, 69-79.
Nord, Christiane (2005): Making Otherness Accessible. Functionality and Skopos in the Translation of New Testament Texts. In: Meta 50 (3/2005), 868-880. http://www.erudit.org/revue/meta/2005/v50/n3/011602ar.html